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Wirtsfamilie, Personal und Gäste vor dem Restaurant zum Prinzen Heinrich, um 1910. Über der Tür der Name August Brüggemann, links ein Schild für Aecht Patzenhofer, in den Fenstern oben weitere Bewohner.

Ein Haus mit Geschichte

Friedrich‑Ebert‑Straße 12, seit 1878

Gaststuben, ein Restaurant mit Fremdenzimmern, ein Lotterie- und Tabakgeschäft mit Reisebüro, ein Fotoatelier und heute unser Restaurant: In diesem Haus hat in fast 150 Jahren vieles seinen Platz gefunden. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hieß die Straße Mittelstraße.

1878 bis 1898

Ein Wohnhaus am Bismarckplatz

1878 errichtete der Bauunternehmer Peter Sachtleben auf seinem Grundstück Mittelstraße 12 ein Wohnhaus mit zwei Etagen, dazu zwei Seitengebäude und zwei Ställe. Die Zimmererarbeiten übernahm Zimmermeister Peters. Sachtleben und der Tischlermeister Ferdinand Eickhoff bauten damals die meisten Häuser der Mittelstraße und am Bismarckplatz.

Ab 1890 gehörte das Haus dem pensionierten Lokomotivführer Wilhelm Höhne. Wittenberge war Eisenbahnstadt, der Bahnhof liegt keine zehn Minuten entfernt.

Der Bismarckplatz mit jungen Bäumen, im Hintergrund die Häuserzeile an der Einmündung der Mittelstraße, darunter unser Haus
Postkarte vom Bismarckplatz, gestempelt am 29. September 1909

1898

Die erste Gaststätte im Haus

„Restauration und Mittagstisch“

Aufschrift des Schilds laut Bauakte von 1898. Wie es aussah, ist nicht überliefert.

Wilhelm Höhne wurde 1898 zum Gastwirt. Er ließ die Wand zwischen zwei Stuben entfernen, brachte ein Schild mit dieser Aufschrift an und hängte über den Eingang eine Straßenlaterne, die abends für Licht sorgte. Gut 125 Jahre später gibt es in diesem Haus wieder einen Mittagstisch.

Mittagstisch bestellen

Montag bis Freitag, 11 bis 15 Uhr

1906 bis 1922

Das „Restaurant zum Prinzen Heinrich“

Um 1902 führte kurz Johannes Gädke die Wirtschaft, 1904 kaufte der Restaurateur Ferdinand Glüse das Haus. 1906 erwarb es August Brüggemann. Er lebte und arbeitete in Stendal, wo die Adressbücher von 1902 und 1904 einen Restaurateur August Brüggemann in der Hohen Bude 7 führen. In Wittenberge kümmerte sich zunächst der Pächter Fritz Lemke um die Schankwirtschaft, ab 1910 stand Brüggemann selbst hinter dem Tresen.

1911 ließ er von Maurermeister Wilhelm Krüger Fremdenzimmer einbauen, sogenannte Logierstuben. Das Haus hieß nun „Restaurant zum Prinzen Heinrich“. Ausgeschenkt wurde „Aecht Patzenhofer“, Bier der Berliner Brauerei Patzenhofer, die in Wittenberge ein eigenes Lager unterhielt.

1920 ließ der neue Besitzer, der Tierarzt Dr. Fritz Grawert, die Gasträume zu einer Wohnung umbauen. Damit endete die Zeit der Gaststätte.

Das Restaurant zum Prinzen Heinrich von der Straße aus: die Wirtsleute vor der Tür, Personal neben der Hofeinfahrt, Gäste an den Fenstern und auf dem Balkon mit Blumenkästen, darüber eine große Linde
Um 1910, digital restauriert und nachträglich gefärbt. Backstein und Beschriftungen folgen dem Foto der Wirtsfamilie vom selben Tag.

1922 bis 1951

Lotterie, Tabak und Reisebüro

Am 1. Februar 1922 kaufte Ernst Wesenberg das Haus. Er war schwer kriegsbeschädigt, beide Beine waren gelähmt, und arbeitete als staatlicher Lotterie-Einnehmer. 1924 baute er ein Wohnzimmer zum Laden um, 1928 vergrößerte er ihn um ein zweites Zimmer und ein zweites großes Schaufenster. Danach erneuerte das Büro Plitt & Borchert die Fassade des Doppelhauses Mittelstraße 12/13. Regierungsbaumeister Karl Plitt und Maurermeister Bernhard Borchert saßen gleich nebenan am Bismarckplatz 2.

Neben Losen und Tabak verkaufte Wesenberg Reisen: Als Vertreter der Hamburg-Amerika Linie warb er für Fahrten nach Kanada, dazu kamen ein Seebäder-Dienst und später der Norddeutsche Lloyd.

Bauzeichnung von 1924: Ladenfront mit der Aufschrift Staatliche Lotterie-Einnahme
Bauantrag 1924
Bauzeichnung von 1928: die ganze Fassade mit dem erweiterten Laden von Ernst Wesenberg
Bauantrag 1928

Wesenbergs Anzeigen in den Wittenberger Zeitungen

Anzeige: Direkte Abfahrten nach Kanada, Hamburg-Amerika Linie, Vertretung Ernst Wesenberg, Mittelstraße 12
1928
Anzeige der Deutschen Reichslotterie: Lose kaufe bei Wesenberg, Staatliche Lotterie-Einnahme
1940
Briefkopf: Ernst Wesenberg, Warengroßhandel, Wittenberge, Mittelstr. 12 am Bismarckplatz, Fernruf 732
Briefkopf 1945
Anzeige: Tabakstrünke, Kirschblätter, Himbeerblätter, Brombeerblätter, Nußblätter kauft Wesenberg, Friedr.-Ebert-Str. 12
1947

Im Zweiten Weltkrieg lebten im Haus Wesenberg und seine Frau mit neun Angestellten und elf weiteren Bewohnern. 1945 brannte das Hintergebäude bei Kampfhandlungen vollständig aus. Wesenberg machte weiter: 1947 suchte er Blätter für Ersatztabak, 1948 und 1949 verkaufte er Lose der Sächsischen Landeslotterie, schon unter der neuen Adresse Friedrich-Ebert-Straße 12. Um 1950 endete sein Geschäft.

1951 bis 2002

Das Foto-Atelier

Anzeigen der Fotografen

Anzeige: Ein frohes neues Jahr wünschen ihrer Kundschaft Fotografenmeister Artur Teich und Frau, Wittenberge, Friedr.-Ebert-Straße 12
1955
Anzeige: fotoatelier horst podiebrad, wittenberge, friedrich-ebert-straße 12, wünscht ein frohes Weihnachtsfest
1963
Anzeige: Foto-Brun Wittenberge, Am Bismarckplatz, Telefon 5085: Farbbilder ab DM 0.39, Paßbilder in Farbe in 2 Minuten, Fotoapparate, Autofernseher auf Bestellung
März 1991
Das frisch sanierte, helle Haus um 2000 mit dem Laden Foto-Brun: AGFA-Schild, gelbe Plakate für Bilder, Poster und Passbilder in den Schaufenstern
Um 2000, frisch saniert

2014 bis heute

Vom Imbiss zum Viet-Thai

Nach dem Fotogeschäft ließ der neue Hausbesitzer den Laden zu einem Imbiss umbauen, ab 2011 war hier ein asiatisches Bistro. Seit 2014 ist das Restaurant Viet-Thai in diesen Räumen zu Hause, mit vietnamesischer und thailändischer Küche und Sushi.

Das Haus im Oktober 2002: die Schilder von Foto-Brun sind abgenommen, die Schaufenster leer
Oktober 2002
Das Haus heute: helle Fassade mit Dreiecksgiebel, unten das Restaurant Viet-Thai mit Tischen vor der Tür und einer jungen Linde
Mai 2026

Wie wir kochen

Wir kaufen jeden Tag frisch ein. Was nicht aus Asien kommen muss, beziehen wir nach Möglichkeit aus der Region. Unsere Saucen machen wir selbst.

„Ein sehr sehr gutes Restaurant. Essen ist wirklich Perfekt, Portionen und preis äußerst fair. Personal freundlich und Atmosphäre auch sehr angenehm. Werde wieder kommen.“

Friedrich S. · Google, Januar 2024

4,5 von 5 Sternen aus 507 Bewertungen bei Google Stand Oktober 2026. Am häufigsten erwähnt: Sushi, Preis-Leistung und Service.

Unser Team Karina Huynh · Donghai Huynh

Chúc ngon miệng!

Guten Appetit.

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Quellen: Stadtarchiv Wittenberge, Bilderrätsel Juni 2026; Adressbücher Wittenberge 1940/41 und Stendal 1902/1904; Deutscher Reichsanzeiger; Zeitungsanzeigen 1925–1991. Historische Aufnahmen, Bauzeichnungen und Anzeigen: Stadtarchiv Wittenberge; Postkarte von 1909: Verlag Franz Brandt, Wittenberge. Die alten Fotos sind digital restauriert, die Farbfassungen nachträglich mit KI ergänzt.